landscape shot of surf break

Verloren im Traum

Für alle, die allein unterwegs sind, haben die Erfahrungen und das Wachstum eine ganz besondere Tiefe. Wir haben uns mit Mackenzie Duncan, einem Freund von Passenger, getroffen und über Solo-Reisen, die wichtigen Momente und was Eskapismus für ihn bedeutet, gesprochen.

Worte & Fotos von Mackenzie Duncan

Ich glaube, da ist etwas in mir, das davon lebt, ein bisschen außerhalb der Komfortzone zu sein. Ein tiefes Gefühl, dass genau dort die Chance liegt, als Mensch zu wachsen.

Schon als Kind hab ich immer das Abenteuer gesucht - damals bin ich während der Frühjahrsschmelze mit dem Kajak unseren Fluss runtergefahren (ich kann’s kaum glauben, dass meine Eltern mich das machen ließen!). Später habe ich beim Snowboarden meine Grenzen ausgelotet, bin per Anhalter und Bus von Mittelamerika zurück nach Kanada gereist oder mit ’ner alten 70er-Jahre-Maschine von New York nach Vancouver und dann runter nach LA gefahren - mit nichts als einem kleinen Rucksack, ohne Zelt, und nur einem Wechselshirt...

Im laufe der Zeit hab ich gemerkt, dass ich schlecht stillsitzen kann - ich sehne mich nach Freiheit. Das ist für viele in meinem Umfeld schwer zu verstehen, was ich total nachvollziehen kann.

Ich habe gelernt, dass ich die Natur liebe, das Meer, und dass ich’s echt cool finde, im Van oder Zelt zu schlafen und im kalten Wasser zu schwimmen. Und ich bin ziemlich gut darin, Fremde kennenzulernen und am Lagerfeuer zu Freunden zu machen.

Bei einer Westküsten-Tour bis nach Kalifornien hab ich drei Wochen lang nonstop „Lost in the Dream“ von War on Drugs gehört. Zum Glück war ich alleine.

"Jedes Mal, wenn ich diese Songs höre, erinnere ich mich an diese entspannten Tage, wie ich durch die Redwoods tuckerte, aufs Meer starrte und auf die Wellen wartete. Es war eine ziemlich einsame Reise, aber genau in diesen Momenten der Stille hab ich viel gefunden..."

Das Meer bringt für mich alles zusammen. Dieser Moment, wenn du gerade in die Welle reingehst, das Board in den Cut zieht... klingt kitschig, aber genau diese Momente suche ich. Sie zwingen mich, ganz im Hier und Jetzt zu sein, meinen schnellen, kreativen Kopf für einen Moment auszuschalten.

Wenn ich’s nochmal machen könnte, würde ich langsamer reisen. Manchmal hab ich mich zu sehr auf das Ziel konzentriert, wollte zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein, und hab das Reisen selbst nicht genug genossen.

Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war an meinem 30. Geburtstag. Ich bin um 4 Uhr morgens aufgestanden und bin im Dunkeln zu meinem Lieblingsspot in Nicaragua gelaufen.

Der Himmel wurde gerade hell, und ich paddelte aufs aufgewühlte Meer hinaus. Ich konnte gerade so den Point Break sehen, den ich so liebe, wie er sich perfekt in die Wellenlinie schiebt.

Ich war lange allein auf dem Wasser, während der Tag langsam erwachte. Solche Momente jage ich, und das wird wohl noch lange so bleiben.

Im Moment konzentriere ich mich sehr auf meinen eigenen kleinen Bereich, ganz wörtlich und im übertragenen Sinne. Ich bin viel am Gärtnern und mitten in der Renovierung meiner Wohnung, die bald fertig wird - das fühlt sich gut an.

Ich verbringe viel Zeit an den lokalen Surfspots, an Seen, und versuche, mich wirklich mit meinem Zuhause und meiner Community zu verbinden. Nach all den vielen Kilometern, die ich zurückgelegt habe, ist jetzt erstmal Zeit, runterzukommen und im Hier und Jetzt zu leben.

Danke an Mackenzie Duncan für die Worte, die er 2020 für Passenger geschrieben hat.

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